Hieronymus Bosch "Der Garten der Lüste"

Lichtverhältnisse

Die Lichtverhältnisse im Bild heben die (vom Betrachter aus) linke Seite hervor, die heller ist. Außerdem spiegelt sich links Licht auf der Sphäre. Da auch Gott links im Bild zu finden ist, haben wir hierin einen Zusammenhang gesehen: es war im Mittelalter üblich, Gott und Licht mehr oder weniger in eins zu setzen. Gott strahlt nicht irgendwie, sondern Gott ist das Licht. Daraus könnte man auch schließen, das diese Seite Osten sein muß, denn da geht die Sonne auf, und da liegt nach mittelalterlichem Verständnis irgendwo auch das irdische Paradies.

Glum S.8 meint darin jedoch einen farblosen Mondregenbogen zu erkennen. (So etwas gibt es tatsächlich.) Sein Argument ist, daß die Reflektion genau einer Lichtquelle auf einer Sphäre nicht als zwei parallele Bahnen erscheinen könne, und auch nicht so diffus aussähe. Wenn die Sphäre allerdings das göttliche Licht reflektiert, könnte wohl niemand mit Sicherheit sagen, wie das aussieht. Im Rahmen seiner Interpretation des dargestellten Augenblicks als dem der Erde unmittelbar nach der Sintflut (Glum S. 10) ergibt seine Interpretation allerdings Sinn, ein Regenbogen paßt da gut hinein.