Hieronymus Bosch "Der Garten der Lüste"

Die Nonnensau

Was genau auf der Urkunde steht, ist nicht auszumachen, es ist aber doch deutlich, daß die Nonnensau dem Mann etwas abluchst. Es könnte sich dabei um eine der zahllosen Schenkungen halten, die die Kirche im Mittelalter so häufig erhalten hat. Üblicherweise lag der Sinn solcher Schenkungen darin, nach dem Tod das Lesen von Messen sicherzustellen, oder wohl auch, sich im Moment des Todes von allem irdischen Besitz frei zu machen. Von solchen theologisch einwandfreien Gründen ist im Bild aber nichts zu sehen, hier schmust die Nonne mit dem Mann rum, um an seinen Besitz zu kommen. Brittnacher hat die Szene als Darstellung eines Ablaßhandels gedeutet, was in eine ähnlich Richtung zielt. Kritik am Ablaßhandel würde in die Zeit um 1500 natürlich sehr gut passen.

Das kleine Monster im Helm trägt am Helm einen abgeschnittenen Fuß, bei dem wir uns nicht sicher sind, ob da ein Knochen herausguckt, oder eine Schriftrolle drinsteckt. Wäre es ein Knochen, müßten es eigentlich zwei sein. Außerdem ist das Ding hohl, was eher für die Schriftrolle spricht. In jedem Fall deuten wir das als Zeichen für eine schon gefangene Seele. Belting sieht darin ein Bettlersymbol, was sich aber eher ergänzt als ausschließt: die Nonne bringt den Mann um seinen Besitz.

Der Mann hinter der Nonne trägt weitere, versiegelte Urkunden, außerdem trägt er ein rosa Gewand. Das deutet eigentlich auf Christus, ist hier aber verkehrt, wie man unschwer an der Kröte erkennen kann, die auf seinem Gewand in ein dort befestigtes Gefäß kriecht. Das Gefäß dürfte wohl ein Berufszeichen sein, vielleicht ein Schreiber?