Hieronymus Bosch "Der Garten der Lüste"

Christus, Adam und Eva

Das untere Teilstück stellt mit ziemlicher Sicherheit den Moment dar, in dem Christus (eigentlich doch Gott?) Eva Adam zuführt, was kurz nach deren Erschaffung geschieht. Die zentrale Figur haben wir als Christus identifiziert, vor allem, weil sie sich in ihrer Bartlosigkeit deutlich vom Gott auf der Rückseite unterscheidet. Theologisch gesehen ist solch ein Austausch wohl unproblematisch, erscheint uns aber doch ungewöhnlich.

Christus ist ja wesentliches Elemente der Heilsgeschichte, und als Mensch auch eingebunden in die menschliche Geschichte. Damit weist er, anders als die Person Gottes, über das Paradies hinaus. Ein Verweis auf Sündenfall und Erlösung?

Adams Fuß berührt den Christi, der wiederum mit seiner Hand Eva berührt. Fuß und Hand könnten Hinweise auf die Wundmale der Kreuzigung sein.

Bemerkenswert ist, das Christus, Adam und Eva auf der gleichen Grundfläche stehen wie die Tiere aus dem Tümpel zu ihren Füßen. Angesichts der sonst so massiven Grenzziehungen ist das sehr auffällig. Die Tiere werden aber nur vom Betrachter bemerkt: Adam starrt auf Eva (oder auch auf die segnende Hand Christi), Eva dagegen senkt den Blick, und Christus blickt auf den Betrachter. Wieder haben wir es mit einem komplexen Blickarrangement zu tun, wie schon auf der Rückseite.

Christus hat seine rechte Hand zum Segen erhoben. Adams linker Arm wirkt wie leicht angehoben, als wolle er ihn Eva entgegenstrecken.

Die rosa Farbe der Kleidung Christi hat unserer Ansicht nach systematische Bedeutung.