Textidentifizierung Naturkunde/Tiere - Katze und Kroete

Über diese Liste Datumsansicht Baumansicht Betreffansicht Autorenansicht Attachement-Sicht

Autor: Klaus Graf (graf@uni-koblenz.de)
Datum: 05.02.2002 - 03:44 CET


Ich schrieb am 10.7.2001 in MEDIAEVISTIK

> Der Stuttgarter Cod. jur. fol. 222 ueberliefert einen naturkundlichen
> Text, zu dem Felix Heinzer freundlicherweise die folgenden Angaben zur
> Verfuegung stellte:
>
> "Ain fuchs ist gar ainunküsciges und ungetrues tier..., Phisiologus
> schribet von ainem tier haisset castor oder pheber das ist in tüsch ain
> biber..., Ain katz haisset in latin musio..., Katho haisset ain berg
> mus..., Das tier das da haisset kammelus in latin..., in tier haisset
> ain
> tigel tier das ist ital grün als ain grün tuch...
>
> Es handelt sich nicht um ein Exzerpt aus Konrad von Megenberg. Kann
> jemand den Text auf die schnelle identifizieren?

Das war seinerzeit leider nicht der Fall. Hintergrund meiner Anfrage war
der Kontakt zu einem in Weilheim/Teck lebenden Historiker, der
inzwischen - hoechst entlegen - eine beachtenswerte Studie zur genannten
Handschrift vorgelegt hat.

Rolf Götz, Georg Plunckher (+ nach 1418). Kaplan an der Nikolauskapelle
zu "Kirchen", in: Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck
27 (2001), S. 186-192

Ausgangspunkt der Recherche war eine Notiz der Kirchheimer
Oberamtsbeschreibung, die irrtuemlich einen Kaplan Georg Plunckher als
bedeutenden Schriftsteller des 13. Jahrhunderts erwaehnte. Die
Fehldatierung ging auf einen Aufsatz des gelehrten Gschwender Pfarrers
Prescher im "Schwaebischen Archiv" von 1790 zurueck. Nachdem die
fragliche Handschrift als der Cod. jur. fol. 222 der Landesbibliothek
Stuttgart identifiziert werden konnte, dessen Schreibervermerk in
Wirklichkeit von 1418 stammt, war eine Neubewertung faellig.

Es handelt sich um eine Schwabenspiegelhandschrift (Oppitz Nr. 1403),
die 1790 noch einen heute nicht mehr vorhandenen Teil mit einem Auszug
biblischer Geschichte, von Prescher "Historia scholastica" genannt,
enthielt.

Heute noch vorhanden ist der oben erwaehnte naturkundliche Text Bl.
138-141, in dem Götz "eine bislang nicht bekannte deutsche Bearbeitung
des naturkundlichen Werkes von Albertus Magnus" sieht (S. 190). Sie
duerfte von Plunker, Nikolauskaplan wohl in Kirchheim/Teck, stammen, der
sich an einer Stelle auf eine Aussage der 1403 gestorbenen Herzogin
Maria von Bosnien verheiratete Graefin von Helfenstein bezieht, was auch
fuer die Geschichte des Geislinger Raums von Bedeutung ist.

Aufschlussreich ist diese Stelle auch hinsichtlich des schlechten Rufs
der Katze (spaeter auch als Hexentier verdammt) im Mittelalter.

Götz woertlich: "Bei den Bemerkungen über die Katze findet sich der
Hinweis, dass dieses Tier Schlangen, Kröten und Frösche töte, dabei sich
aber nicht vergifte. Vergiften könnten sich die Menschen aber durch
einen zu nahen Umgang mit einer Katze, „und dar umb sol man sie nitt an
das bett legen, aber vil lütt tund das ... Mir saitt min frow frow mare
hertzogin von bossen von helffanstain genant, das ir ain mensch seitt,
dem wol ze globen wer, das ain hoff wer, ain maierhoff, da sturben wol
zehen mensch in ainem manutt und starb anderswa niemant, das ducht die
lutt ain groß wunder, und man wart den hoff scheuen, und kamend zwen
frömd man dahin, die benachtett da selbenz und blibent in dem huß über
nacht und laitent sich in ain stuben“ . In der Nacht sei eine Katze in
die Stube gekommen, die eine große Kröte abgeleckt hatte, und habe dem
einen der Schlafenden in das Gesicht gespien. Der andere sei rechtzeitig
aufgewacht und habe die Katze abwehren können. Am Morgen habe sich der,
der von der Katze angespien worden sei, krank gefühlt, habe sich ins
Bett legen müssen und sei am dritten Tag gestorben. Man meine deshalb,
dass der Tod der anderen auf diesem Hof auf diese Katze zurückzuführen
sei. „Dar umb sol man die katzen nitt fest haimen“, kommentiert Konrad
Plunckher diese Geschichte" (S. 189f.).

Fuer weitere Hinweise zu diesem Text waere ich dankbar.

Klaus Graf


Über diese Liste Datumsansicht Baumansicht Betreffansicht Autorenansicht Attachement-Sicht

Dieses Archiv wurde generiert von hypermail 2.1.4 : 13.01.2003 - 12:55 CET